Ayre Index: KI-Gewinne könnten Commonwealth-Staaten um 360 Milliarden Dollar auseinandertreiben

Eine neue Studie des Ayre Think Tank warnt, dass künstliche Intelligenz die Kluft zwischen reichen und ärmeren Staaten vergrößern könnte. Sie beziffert den Unterschied beim möglichen wirtschaftlichen Nutzen zwischen den am besten vorbereiteten Commonwealth-Ländern und den Nachzüglern auf 360 Milliarden Dollar. Der Ayre Index wurde beim Treffen der Regierungschefs des Commonwealth in Antigua und Barbuda vorgestellt.
- Der Ayre Index erfasst 732 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren in allen 56 Mitgliedstaaten des Commonwealth.
- Nur 15 Länder erreichten den Richtwert für die KI-Bereitschaft junger Menschen, Singapur liegt auf Platz eins, Malawi und Lesotho bilden das Schlusslicht.
- Im mittleren Szenario beträgt die Lücke beim möglichen Wirtschaftsgewinn 360 Milliarden Dollar: 389,2 Milliarden Dollar für die 15 vorbereiteten Länder gegenüber 29,2 Milliarden Dollar für die übrigen 41.
- In Nigeria erwarteten rund 90 Prozent der befragten jungen Menschen, innerhalb eines Jahres KI zu nutzen, bei den klassischen digitalen Fähigkeiten erreichte das Land aber nur 0,8 von 10 Punkten.
- Laut Studie entscheiden Kompetenzen, erschwingliche Konnektivität, Wege in Beschäftigung und Gründerförderung darüber, ob KI Gräben verkleinert oder vergrößert.
Nur 15 von 56 Ländern erreichen die Bereitschaftsschwelle
Der Ayre Index untersuchte die Bedingungen für 732 Millionen Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren in allen 56 Mitgliedstaaten des Commonwealth. Der Studie zufolge erreichten nur 15 Länder den Richtwert für die KI-Bereitschaft junger Menschen.
Im mittleren Szenario der Studie könnte die Wirtschaftsleistung dieser 15 Staaten nach 10 Jahren zusammen um 389,2 Milliarden Dollar höher liegen. Für die übrigen 41 Länder wären es 29,2 Milliarden Dollar. Die daraus resultierende Lücke von 360 Milliarden Dollar ist laut Studie doppelt so groß wie die 174 Milliarden Dollar an Entwicklungshilfe, die die wichtigsten Geberländer der Welt im vergangenen Jahr geleistet haben.
Singapur führt das Ranking an, gefolgt von Malta, Australien, Großbritannien und Kanada. Malawi und Lesotho landeten auf den letzten Plätzen. Von den 21 afrikanischen Mitgliedern des Commonwealth erreichten nur Mauritius, Südafrika und Nigeria den Richtwert.
Konnektivität allein schafft keine Chancen
Die Untersuchung legt nahe, dass der Aufbau von Netzen nicht automatisch Chancen eröffnet. In Togo reicht die 4G-Abdeckung fast überall hin, doch weniger als die Hälfte der jungen Menschen gibt an, das Internet zu nutzen. In Malawi erreicht der Strom ein Fünftel der Bevölkerung.
Auch dort, wo die Begeisterung groß ist, tun sich Lücken auf. Rund 90 Prozent der befragten jungen Nigerianer erwarteten, innerhalb eines Jahres KI für Arbeit oder Ausbildung zu nutzen. Bei den klassischen digitalen Fähigkeiten erzielte Nigeria jedoch nur 0,8 von 10 Punkten.
Auch das Erreichen des Richtwerts garantiert keine Arbeitsplätze. Südafrika qualifizierte sich, doch die Arbeitslosigkeit unter den jungen Erwerbspersonen lag bei 46,3 Prozent.
Datenlücken und ein Aufruf zum Handeln
Die Studie stützt sich auf 1.128 Quellen, zeigt aber auch, wie wenig vergleichbare Belege es in einigen Ländern zu den tatsächlichen KI-Fähigkeiten junger Menschen gibt.
Calvin Ayre, der Unternehmer und Philanthrop, der den hinter dem Index stehenden Think Tank gegründet hat, sagte: "KI wird verändern, wie wir arbeiten, wie wir Geschäfte machen und wie Wohlstand entsteht. Niemand kann es sich leisten, selbstgefällig zu sein." Regierungen müssten jungen Menschen die Fähigkeiten und Möglichkeiten für den Erfolg an die Hand geben, so Ayre.
Was das für Regierungen und junge Menschen bedeutet
Die zentrale Warnung der Studie lautet, dass Zugang allein nicht ausreicht. Laut der Untersuchung entscheiden Kompetenzen, erschwingliche Konnektivität, Wege in Beschäftigung und die Förderung von Gründerinnen und Gründern darüber, ob KI neue Unternehmen und bessere Jobs schafft oder bestehende wirtschaftliche Gräben vertieft.
Für politische Entscheidungsträger in den Commonwealth-Staaten deuten die Ergebnisse auf Investitionen über die Infrastruktur hinaus hin, wie die Beispiele Togo und Malawi zeigen. Die Zahlen sind szenariobasierte Schätzungen des Think Tanks, und die Studie selbst weist darauf hin, dass vergleichbare Belege zu KI-Kompetenzen junger Menschen in einigen Ländern dünn sind.


